Waldorfpädagogik

Eines Tages kam Thomas Edison von der Schule nach Hause und gab seiner Mutter einen Brief. Er sagte ihr: “Mein Lehrer hat mir diesen Brief gegeben und sagte mir, ich solle ihn nur meiner Mutter zu lesen geben.” Die Mutter hatte die Augen voller Tränen, als sie dem Kind laut vorlas: “Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule ist zu klein für ihn und hat keine Lehrer, die gut genug sind, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten Sie ihn selbst.”
Viele Jahre nach dem Tod der Mutter, Edison war inzwischen einer der größten Erfinder des Jahrhunderts, durchsuchte er eines Tages alte Familiensachen. Plötzlich stieß er in einer Schreibtischschublade auf ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Er nahm es und öffnete es. Auf dem Blatt stand geschrieben: “Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir wollen ihn nicht mehr in unserer Schule haben.”
Edison weinte stundenlang und dann schrieb er in sein Tagebuch: “Thomas Alva Edison war ein geistig behindertes Kind. Durch eine heldenhafte Mutter wurde er zum größten Genie des Jahrhunderts. “

Die Waldorfschule war und ist Vorreiter

Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen, zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse, Epochenunterricht (Blockunterricht), Gesamtschule von Klasse 1 bis 12, Verzicht auf Sitzen bleiben, künstlerische Gestaltung des Unterrichts, ausführliche Textzeugnisse, Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Selbstverwaltung (Autonomie) der Schule – all das ist selbstverständlich seit Gründung der ersten Waldorfschule im Jahre 1919; erst sehr viel später wurde einiges davon auch in die Unterrichtspraxis der „Regelschule” aufgenommen.
Waldorfpädagogik will die kreativen Kräfte der Schüler von Grund auf entfalten. Anstatt mit vorwiegend vorgegebenen Formen zu arbeiten, die ggf. Lücken zum Ausfüllen bieten, ersetzen selbstgestaltete Epochenhefte weitgehend die Lehrbücher.

Die erste Waldorfschule

Sie wurde 1919 von Rudolf Steiner (1861-1925) zusammen mit Emil Molt, Besitzer der damaligen Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, für die Arbeiterkinder in Stuttgart gegründet und nach der Fabrik benannt. Mit dieser Schule wurde zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung und späterem Beruf erhalten junge Menschen eine gemeinsame Bildung. Als erste Gesamtschule haben die Waldorfschulen das mit dem vertikalen Schulsystem verbundene Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung ersetzt.

Kein Sitzenbleiben

Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen ohne Sitzenbleiben 12 Schuljahre. Der Lehrplan der Waldorfschulen ist auf die Weite der in den Kindern liegenden seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen ausgerichtet. Deshalb tritt vom 1. Schuljahr an neben die mehr sachbezogenen Unterrichtsgebiete ein vielseitiger künstlerischer Unterricht. Durch diesen werden die für den einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten und Erlebniskräfte gefördert.

Künstlerisch-handwerklicher Unterricht

Ein vielfältiger handwerklicher Unterricht fördert die differenzierte Ausbildung des Willens und die lebenspraktische Orientierung des Schülers.

Entwicklungsorientierter Lehrplan

Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hinorientiert.

Bildhafter Unterricht

In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Schüler erst heranreift, ist “bildhafter” Unterricht ein wesentliches Unterrichtsprinzip. Die Tatsachen werden so behandelt, dass die Schüler zusammen mit dem Anschaulichen auch das Gesetzmäßige und Wesenhafte der Dinge im Sinne echter Bilder verstehen und erleben lernen.

Wissenschaftlicher Unterricht

Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis 12. Schuljahr. Die Waldorfschulen sehen hier die pädagogische Aufgabe nicht darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass er sich mit den Lebensfragen des jungen Menschen verbinden kann und Antworten gibt.

Epochenunterricht

Ein wichtiges Mittel, um den Unterricht ökonomisch zu gestalten, ist der Epochenunterricht. Er wird in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden können (Deutsch, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften usw. ). Gebiete, die laufender Übung bedürfen (künstlerischer Unterricht, Englisch, Französisch, Russisch – Fremdsprachen vom 1. Schuljahr an), werden in Fachstunden erteilt, wobei auch hier manche Waldorfschulen in den letzten Jahren verstärkt Epochenunterricht durchführen.

Soziale Kompetenzen entwickeln

Das Erüben sozialer Kompetenzen in einer möglichst stabilen Klassengemeinschaft von Schülern unterschiedlicher Begabung ist lebensnaher als ein notenorientiertes Lernen von Schülern derselben Begabungsbandbreite. Gymnasien berauben Real- und Hauptschulen ihrer Zugpferde. Das Herauslösen leistungsschwacher Schüler aus einer Klassengemeinschaft durch Sitzenbleiben setzt einen abstrakten Leistungsgedanken vor die soziale Tragfähigkeit einer Klassengemeinschaft. Waldorfschulen bauen dagegen auf das Lernen im gegenseitigen Miteinander. Denn schneller begreifende Schüler lernen am meisten, wenn sie Gelegenheit bekommen, langsamer begreifenden Schülern etwas zu erklären. Letztere lernen auch besser, wenn sie nicht ausschließlich auf die Erklärungen des Lehrers angewiesen sind. Das gemeinsame Lösen von Aufgaben in Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen ist eine Herausforderung des Berufslebens, auf die die Schule schon vorbereiten sollte.

Zeugnisse und Abschlüsse

Die Waldorfschulen haben mit der Auslese auch das übliche Zensurensystem abgeschafft. Die Zeugnisse bestehen aus möglichst detaillierten Charakterisierungen, die die Leistung, den Leistungsfortschritt, die Begabungslage, das Bemühen in den einzelnen Fächern durchsichtig machen. Die Schüler schließen die Schule mit der Mittleren Reife oder dem Abitur (nach dem 13. Schuljahr) ab.

Selbstverwaltung

Als Freie Schulen haben die Waldorfschulen die hierarchisch organisierte Außenlenkung der staatlichen Schulen durch eine freiheitliche Verfassung ersetzt. Die Selbstverwaltung erfolgt durch Eltern und Lehrer gemeinsam und stellt ein sehr zukunftsorientiertes soziales Erfahrungsfeld dar. Die pädagogische Leitung wird von der wöchentlichen Lehrerkonferenz wahrgenommen, an der alle Lehrer gleichberechtigt mitwirken. Das Bemühen um das Verständnis des Menschen, seiner Lebensgesetze und um Fortentwicklung der Pädagogik auf der Basis der anthroposophischen Geisteswissenschaft bildet die gemeinsame Grundlage.

Finanzierung

Ungeachtet der weltweiten fachlichen Anerkennung der Waldorfschulen und der verfassungsrechtlichen Gleichstellung der Schulen in freier Trägerschaft mit den staatlichen Schulen bedarf es dauernder Bemühungen auf politischem und administrativem Felde, dass diesem Umstand bei der Schulaufsicht und Finanzierung der Schulen entsprochen wird. Die Waldorfschulen in Deutschland erhalten staatliche Zuschüsse, die aber die Betriebskosten nur zum Teil decken. Die Elternbeiträge sind an den meisten Schulen nach Einkommen gestaffelt.

Quelle: http://www.waldorfschule.de/

Welche Kinder werden an einer Waldorfschule aufgenommen?

Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, ethnischer Herkunft, Weltanschauung und Einkommen der Eltern. Nach ausführlichen Informationselternabenden findet für jedes Kind ein individuelles Aufnahmegespräch an der Schule statt. Auch in höhere Klassen können Schüler als Quereinsteiger aufgenommen werden.

Worin unterscheiden sich Waldorfschulen überhaupt von anderen Schulen?

Waldorfschulen wollen gleichermaßen intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen zusammen im Werkunterricht. In jeder achten und zwölften Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein und setzen sich in einer großen Jahresarbeit mit einem Thema ihrer Wahl in Theorie und Praxis auseinander. Die Fächer Gartenbau und Eurythmie sind feste Bestandteile des Lehrplans.

Wer war Rudolf Steiner und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?

Rudolf Steiner ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Emil Molt, Besitzer der damaligen Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, gründete mit ihm zusammen die erste Waldorfschule in Stuttgart. Inhalt und Methode der Waldorfpädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Pädagogik fanden Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen auch Eingang in die biologischdynamische Landwirtschaft, die Anthroposophische Medizin und die Kunst.

Muss ein Kind künstlerisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?

Nein, die Waldorfschule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Die neuere Hirnforschung hat aber eindrucksvoll belegt, dass Kinder und Jugendliche durch künstlerisches Üben viele Kompetenzen erwerben, die weit über die unmittelbare Tätigkeit hinausreichen. Wenn Waldorfschüler malen, zeichnen, plastizieren oder musizieren, geht es daher vor allem um die Schulung differenzierter Wahrnehmungen und die Entfaltung ihres schöpferischen Potenzials; die Begabungen der einzelnen Schüler werden dabei natürlich berücksichtigt. Waldorflehrer sind bestrebt, den Verstand, die Kreativität und die eigenständige Persönlichkeit ihrer Schüler gleichgewichtig zu entwickeln.

Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf eine Waldorfschule gehen?

Nein. An Waldorfschulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen wie an den staatlichen Regelschulen auch, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale und handwerklichkünstlerische Fähigkeiten gefordert und gefördert werden. Die individuelle Förderung von Kindern mit besonderem Assistenzbedarf ist eine wichtige Säule der Waldorfpädagogik, die entweder in Schulen mit einem inklusiven Konzept oder in heilpädagogischen Förderschulen umgesetzt wird.

Stimmt es, dass Waldorfschulen immer sehr große Klassen haben?

Das ist von Schule zu Schule verschieden, aber es ist richtig, dass es manchmal große Klassen gibt. In vielen Fächern werden die Klassen dann allerdings in zwei oder drei Gruppen geteilt. Kinder, die sich in einem Fach leichter tun, helfen denen, die es schwerer haben. Schülern, die ganz besonders schnell auffassen, geben die Lehrer schwierigere Zusatzaufgaben. In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über zwölf Schuljahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden aneinander lernen.

Stimmt es, dass es an Waldorfschulen keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

Auch wenn Waldorfschulen in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, werden die Schülerarbeiten selbstverständlich gewürdigt. An Stelle der Noten stehen individuelle Beurteilungen, in denen die Lehrer gleichermaßen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernfortschritte ihrer Schüler eingehen. Es zählt also nicht allein der Wissensstand, sondern die Gesamtentwicklung in einem bestimmten Zeitraum. Waldorfschüler lernen von der ersten bis zur zwölften Klasse in einer stabilen Klassengemeinschaft, unabhängig vom angestrebten Schulabschluss: Niemand wird unterwegs sitzen gelassen.

Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?

Da der Waldorfunterricht sehr handlungsorientiert und auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler abgestimmt ist, stellt sich dieses Problem nur selten. Eigeninitiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von äußerem Leistungsdruck, sondern aus lebendigem Interesse und persönlicher Begeisterung für die vielfältigen Unterrichtsinhalte. Diese gestaltet der Lehrer kreativ und lebensnah, so dass sie sich an der persönlichen Erfahrungswelt der Kinder orientieren und ihnen eigene Erlebnisse vermitteln. Waldorflehrer bereiten sich auf diese anspruchsvolle pädagogische Tätigkeit an eigenen Seminaren und Hochschulen vor.

Ist Waldorfpädagogik nicht so etwas wie das Vorgaukeln einer heilen Welt? Kommen die Schüler später mit der „harten Realität“ zurecht?

Die Praxis zeigt, dass gerade Waldorfschüler von Ausbildern besonders geschätzt werden. In einer Schule, die nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten anspricht, entwickeln sich Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an. Umfangreiche Absolventenstudien zeigen, dass Waldorfschüler in allen Studien und Berufsfeldern sehr erfolgreich studieren und arbeiten.

Welche Abschlüsse können an einer Waldorfschule gemacht werden?

Alle. Da die einzelnen Bundesländer jeweils eigene Schulgesetze haben, gibt es zwar Unterschiede, aber grundsätzlich gilt, dass an einer Waldorfschule die üblichen staatlichen Abschlüsse erworben werden können: Haupt- und Realschulabschluss ebenso wie das Abitur und meistens auch die Fachhochschulreife. Am Ende des zwölften Schuljahres (an einigen Schulen am Ende der elften Klasse) bieten zahlreiche Waldorfschulen einen eigenen Waldorfschulabschluss an, der ihren Schülern Gelegenheit gibt, neben den Prüfungsfächern der staatlichen Abschlüsse ihre individuell erworbenen Kompetenzen zu präsentieren. Das dreizehnte Schuljahr dient in der Regel der gezielten Vorbereitung auf das Abitur.

Ist die Waldorfschule eigentlich teuer?

Es ist ein Prinzip der Waldorfschule, kein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen. Da aber die Zuschüsse an freie Schulen in allen Bundesländern niedriger sind als jene, die staatliche Schulen erhalten, müssen Waldorfschulen Schulgelder von den Eltern verlangen –obwohl sie erwiesenermaßen besser wirtschaften als Schulen in öffentlicher Trägerschaft. Um dennoch allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, bilden die Lehrer und Eltern Solidargemeinschaften, die zwar an jeder Schule etwas anders ausgestaltet sind, sich aber immer darum bemühen, die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Familien auszugleichen.

Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Heißt das, dass die Kinder dort antiautoritär erzogen werden?

Der Begriff „freie Schulen“ bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt, sondern dass diese Schulen eine weitgehende pädagogische Autonomie haben. Waldorflehrerinnen und -lehrer bauen in der Unterstufe ein von „liebevoller Autorität“ geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf. Kinder suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer Schüler Verhältnis immer mehr zu einer umfassenden Lernpartnerschaft.

Warum haben die Kinder in den ersten acht Schuljahren nach Möglichkeit ein und denselben Klassenlehrer?

In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorf-Klassenlehrer „seine“ Klasse nach Möglichkeit sechs bis acht Jahre lang und unterrichtet jeden Morgen mindestens die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags. In wechselnden „Epochen“ bringt er den Schülern jeweils über mehrere Wochen den Stoff unterschiedlicher Themengebieten nahe. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.

Was ist unter „Epochenunterricht“ zu verstehen?

Während der ersten beiden Stunden eines Schulvormittags arbeiten die Schüler über mehrere Wochen intensiv an jeweils einem Fachgebiet .So haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jeden Morgen zwei Stunden Mathematik, Geografie, Deutsch, Geschichte oder ein anderes Hauptfach. Nach einigen Wochen wechselt der Inhalt der Epoche zu einem anderen Thema, sodass die Schüler sich intensiv damit verbinden. Grundfertigkeiten wie Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden. Im Anschluss an den Epochenunterricht übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Sport, Fremdsprachen, Eurythmie, Religion, Musik und in den handwerklichkünstlerischen Fächern.

Kann ein Lehrer in allen Fächern überhaupt qualifiziert sein?

Klassenlehrer decken an einer Waldorfschule tatsächlich ein großes Spektrum an Fächern ab. In besonderen Ausbildungswegen, die sie in einem Vollstudium oder postgraduiert im Anschluss an eine wissenschaftliche Ausbildung an einem der Seminare im Bund der Freien Waldorfschulen oder an einer Hochschule mit Waldorfqualifikation durchlaufen, werden sie gezielt darauf vorbereitet. Für Klassen-, Fach- und Oberstufenlehrer gilt gleichermaßen, dass ihre Ausbildung mindestens gleichwertig zur staatlichen Ausbildung sein muss. In der Unter- und Mittelstufe liegt der Schwerpunkt allen Lernens nicht nur auf der Vermittlung reinen Fachwissens, sondern es geht auch darum, den Schülern eine lebendige, erfahrungsgesättigte Beziehung zu den Lerninhalten zu ermöglichen. So kann Lernen Freude machen – ein Leben lang.

Wie werden die Jugendlichen in der Oberstufe auf die Berufswelt vorbereitet?

In der Oberstufe unterrichten in allen Fächern akademisch beziehungsweise handwerklich ausgebildete Lehrer die Jugendlichen. Die praktischen Fähigkeiten, die die Schüler sich über die gesamte Schulzeit hinweg angeeignet haben, finden von der achten Klasse an Ergänzung durch diverse Praktika: In einem Landwirtschafts- und einem Forstpraktikum, einem Feldmess-, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine ausgesprochen lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei liegt der eigentliche Sinn der Praktika nicht in der Berufsfindung, sondern vor allem im Erüben wichtiger sozialer Fähigkeiten.

Kommt die Vorbereitung auf die Abschlüsse nicht zu kurz, wenn so viele Praktika stattfinden, Theater gespielt und handwerklich gearbeitet wird?

Es ist richtig, dass diese Aktivitäten zusammen mit dem Lernpensum in manchen Schuljahren eine Doppelbelastung für die Schüler bedeuten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Prüfungsleistungen hierunter nicht leiden. Denn die durchschnittlichen Abschlussnoten der Waldorfschüler liegen im Durchschnitt mindestens auf dem gleichen Niveau wie bei Schülern von staatlichen Schulen.

Werden die Kinder an der Waldorfschule weltanschaulich unterrichtet?

Die von Rudolf Steiner entwickelte Anthroposophie ist eine Erkenntnishilfe für die Lehrer, zu keinem Zeitpunkt aber ist sie Gegenstand des Unterrichts. Da die Waldorfschule eine überkonfessionelle Schule ist, entscheiden zunächst die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besuchen soll. Später entscheiden die Jugendlichen das dann selbst.

Was hat es mit dem Fach Eurythmie auf sich?

Eurythmie (wörtlich: guter, auch schöner Rhythmus) ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Buchstaben und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde – es handelt sich also um sichtbar gemachte Sprache und Musik. In der Lauteurythmie stellen die Schüler zum Beispiel dar, was in einem Gedicht an Lauten lebt, und in der Toneurythmie, was in den Tonintervallen einer musikalischen Komposition lebt.

Spielen die Naturwissenschaften an der Waldorfschule überhaupt eine Rolle? Und wie stehen die Waldorfschulen zum Umgang mit dem Computer?

An der Waldorfschule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern. Das Fach Informatik ist fester Bestandteil im Lehrplan der Waldorfschulen, wobei die Pädagogen Wert darauf legen, dass sich die Kinder, bevor sie die virtuelle Welt kennen lernen, mit der natürlichen Welt vertraut machen und ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten entwickeln. In der Oberstufe ist der Umgang mit der Soft und Hardware für jeden Waldorfschüler eine Selbstverständlichkeit. Eine PISA Studie zu den Naturwissenschaften bescheinigte Waldorfschülern weit überdurchschnittliche naturwissenschaftliche Kompetenzen und führte dies unmittelbar auf die praktizierte Unterrichtsmethode zurück.

Was ist, wenn meine Familie umzieht?

In Deutschland gibt es fast überall eine Waldorfschule in erreichbarer Nähe – aktuell (Dez. 2016) sind es 238, aber Neugründungen kommen in jedem Jahr dazu. Auf der Homepage des Bundes der Freien Waldorfschulen finden Sie die Schulen in Ihrer Nähe. Jede Waldorfschule wird sich darum bemühen, Waldorfschüler nach einem Umzug aufzunehmen. Ein Wechsel von und zu staatlichen Regelschulen bedeutet zwar eine Umstellung, ist aber möglich und keine Seltenheit. Falls Sie ins Ausland ziehen wollen: Weltweit gibt es – mit deutlich steigender Tendenz – 1.200 Waldorfschulen (Stand: August 2015). Damit sind die Waldorfschulen die größte überkonfessionelle und nichtstaatliche pädagogische Bewegung der Welt.

Quelle: http://www.waldorfschule.de/

Waldorfschulen gegen Diskriminierung
Stuttgarter Erklärung

Rudolf Steiner und Waldorfschule

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart als freie Schule für die Kinder der Arbeiter der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik gegründet. Rudolf Steiner, der sich seit 1917 intensiv für eine konsequente Überwindung autoritärer Gesellschaftsstrukturen eingesetzt hatte, wurde als Schulleiter berufen. Das Schulwesen betrachtete er als Teil eines erst noch zu bildenden „freien Geisteslebens“, das der direkten Einflussnahme durch politische, wirtschaftliche oder ideologische Partikularinteressen entzogen und auf den Boden der Selbstverwaltung gestellt werden sollte.

Die pädagogischen Ideen, die er in der Waldorfschule zu verwirklichen suchte, waren das Ergebnis einer Jahrzehnte währenden Forschung über die wechselseitige Beziehung der leiblich-physiologischen, psychischen und geistig-spirituellen Existenz des Menschen, und zwar sowohl in seiner biografischen Entwicklung als auch im Sinne einer geisteswissenschaftlich erweiterten Anthropologie, der Anthroposophie. Steiner entwickelte die Anthroposophie in Büchern und zahllosen Vorträgen, nachdem er sich zunächst als Philosoph und Goethe-Forscher einen Namen gemacht hatte.

Warum wird Rudolf Steiner von Kritikern Rassismus vorgeworfen?

Während er sich in seinen philosophischen Schriften intensiv mit dem deutschen Idealismus und den erkenntnistheoretischen Ansätzen des späten 19. Jahrhunderts auseinandersetzte, knüpfte er mit seiner anthroposophischen Forschung zunächst an eine Begrifflichkeit an, die im theosophischen Kontext gepflegt wurde. Dabei verwendete er auch Worte, die aus heutiger Sicht völlig indiskutabel sind. Eins dieser Worte ist beispielsweise „Wurzelrasse“ – ein Wort, das nach den rassistischen Verbrechen des Nationalsozialismus die Frage aufwirft, ob Rudolf Steiner selbst ein Rassist war oder ob gar die gesamte anthroposophische Geisteswissenschaft von rassistischem Ideengut durchzogen ist.

Nun lässt sich gerade an diesem Wort zeigen, wie Steiner das theosophische Vokabular immer mehr abstreifte und zu einer völlig eigenen Begriffsbildung kam: Statt von „Wurzelrassen“ sprach er später nur noch von “Zeitaltern” oder „Epochen“, weil er deutlich machen wollte, dass es in diesem Kontext nicht um ethnische, sondern um kulturelle Entwicklungsepochen der Menschheit ging. Steiner betonte, dass die ethnische Abstammung der Menschen in früheren Zeiten zwar eine bedeutende Rolle gespielt habe, diese aber in der Gegenwart (Beginn des 20. Jahrhunderts) und erst recht in Zukunft jede Bedeutung verliere. Mehr noch: Die individuelle Urteilskraft des einzelnen Menschen müsse alle Formen eines instinktiven Gruppenbewusstseins ablösen, wenn die Menschheit nicht in die völlige Dekadenz geraten wolle. Sein Ausspruch „Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit“ fasst diese Haltung unmissverständlich zusammen.

Dieser grundsätzlichen Überzeugung Rudolf Steiners stehen überlieferte Äußerungen gegenüber, die deutlich machen, dass auch er keineswegs frei war von den in seiner Zeit verbreiteten Ressentiments gegenüber Menschen anderer Hautfarben und aus anderen Kulturen. Zu diesem Widerspruch ist sehr viel publiziert worden und bis heute gibt es dazu eine kontroverse Diskussion. Einzelne Autoren versteigen sich dabei zu der Aussage, Rudolf Steiner sei ein Wegbereiter der nationalsozialistischen Rassenideologie gewesen – ein Urteil, das ebenso oft widerlegt wie mit den immer gleichen Zitaten neu aufgelegt wurde.

Die „Stuttgarter Erklärung“ und das Selbstverständnis der Waldorfschulen

Um Missverständnissen mit Bezug auf das Ethos und das praktische Leben der Waldorfschulen vorzubeugen, verabschiedeten die deutschen Waldorfschulen daher im Oktober 2007 die „Stuttgarter Erklärung“. Sie stellt klar, dass die Waldorfschulen sich von jeder Form der Diskriminierung, also auch von jedweder ethnisch begründeten Form der Diskriminierung, distanzieren. Sie arbeiten auf der Grundlage der anthroposophisch erweiterten Menschenerkenntnis und beziehen aus ihr eine Fülle von Gesichtspunkten, die den Respekt vor der einzigartigen Individualität eines jeden Menschen in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen.

 

Quelle : Bund der Freien Waldorfschulen

„Die ganze Unterrichts- und Erziehungsmethode der Waldorfschule ist ja daraufhin orientiert, gesundend auf das Kind zu wirken.“

Rudolf Steiner

Die Waldorfschule Landshut setzt ihren Schwerpunkt auf eine gesundheitsfördernde Erziehung. Die Kinder unserer Schule sollen neben ihrem schulischen Abschluss auch mit einer starken körperlichen Konstitution und einer gesunden seelisch-geistigen Organisation ins Leben treten.

Was ein Kind seelisch erlebt, drückt sich unmittelbar in körperlichen Reaktionen aus und kann dem noch bildungsfähigen Organismus dauerhaft eingeprägt werden. Möglicherweise werden in Kindheit und Jugend physiologische Anlagen ausgebildet, die die spätere Gesundheit oder Krankheit maßgeblich beeinflussen können. Aaron Antonovsky zeigt, wie die innere Einstellung eines Menschen bzw. sein Gefühl der Sinnhaftigkeit des Lebens, die eigene Gesundheit oder auch Krankheit beeinflussen kann (1). Ein Beispiel hierzu ist das allgegenwärtige Thema “Stress”. Stress liegt niemals in einer Sache oder einem Gegenstand an sich, sondern befindet sich in der eigenen Wahrnehmung. Dass allein dieses Gefühl von Stress einen direkten Einfluss auf leibliche Vorgänge wie zum Beispiel Atem und Pulsschlag, sowie einen Einfluß auf die Lebensqualität haben kann, ist wissenschaftlich erwiesen. Stress in der frühen Kindheit kann darüber hinaus eine geradezu toxische Wirkung auf die körperliche, soziale und kognitive Entwicklung haben (2).

Damit wird ein deutlicher Zusammenhang zwischen den Bedingungen von Bildung, also dem schulischen Unterricht und Gesundheit hergestellt. Steiner beschrieb dies schon in den 1920 Jahren:
„Was im kindlichen Alter in die Seele aufgenommen wird, das erscheint im Erwachsenen als gesunde oder kranke Körperverfassung. Denn im Kinde überträgt sich jeder seelische Impuls in gesunde oder kranke Atmung, in gesunde oder kranke Zirkulation, in gesunde oder kranke Verdauungstätigkeit. Was da Krankes entsteht, fällt oft am Kind noch nicht auf. Aber der Keim wächst mit dem Menschen heran, und manche chronische Krankheit der vierziger Jahre des Menschen ist das Ergebnis der Seelenverbildung im ersten oder zweiten Lebensjahrzehnt.“ (3)

Der Salutogenese-Ansatz nach Aaron Antonovsky

Die Salutogenese-Forschung unterscheidet drei Bereiche, in denen bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit sich ein Mensch gesund fühlen kann.

Auf der leiblich-körperlichen Ebene:

durch Bewegung, Rhythmus, Sinnenpflege, Sinneserfahrungen, gesunde Umgebung, gesunde Ernährung

Auf der seelischen Ebene:

durch Verstehbarkeit (das Leben, die Vorgänge der Welt sind vorhersehbar und durchschaubar), Sinnhaftigkeit (die Bedeutsamkeit und Richtigkeit der eigenen Anstrengungen und des eigenen Engagements), Handhabbarkeit (Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen)

Daraus entsteht das Kohärenzgefühl.

Auf der mental-geistigen Ebene:

durch Achtsamkeit, Identitätsbildung, Resilienz (Widerstandsressourcen gegen Herausforderungen und Härten des Lebens), welche aus Kohärenzerfahrungen entsteht

Was können wir also tun?

Mit der Waldorfpädagogik arbeiten wir genau auf diesen drei Ebenen am Kind. Sie sieht den engen Zusammenhang zwischen der Psyche und den Kräften, die den Organismus aufbauen und gesund erhalten und dem Geist.

Jeder dieser Bereiche findet Platz in einem Tag an der Waldorfschule, ja sogar in jeder Unterrichtseinheit:

Körper

Der Hauptunterricht in der Unterstufe beginnt mit rhythmisch-musikalischen Bewegungsspielen und mit Rezitationen von Versen und Gedichten. Auch kleine Spiele zur Förderung von Fein- und Grobmotorik und der Koordination mit dem Seil, Wurfsäckchen und Ball gehören zum ersten Unterrichtsabschnitt.

Geist

Nun sind die Kinder aufnahmebereit für den Epochenunterricht, also zum Beispiel Rechnen. Auch hier werden im Unterricht rhythmische Wechsel von Spannungen aufgebaut und wieder gelöst. Dinge genau erklärt und andere wieder offen gelassen, damit die Fragen über Nacht weiter wirken können.

Seele

Die Unterrichtseinheit klingt aus mit dem Erzählteil, bei dem innere Bilder in der Seele der Kinder entstehen, die, ohne angesprochen zu werden, wichtige Lebensfragen und Lebensweisheiten beinhalten.

Unsere Schule ist ein Lebensraum, nicht reiner Lernort!

  • mit einem Unterrichtsbeginn um 8.30 Uhr und vorher genug Zeit zum gemeinsamen Frühstück
  • mit gesundem, biologisch erzeugtem Essen
  • mit vielfältigen Sinneserfahrungen der Kinder, denn Sinneserfahrung ist Selbsterfahrung und Welterfahrung zugleich, in allen Fächern und in der Natur
  • mit echten Erlebnissen, wie Feldpflügen, Hausbauen, Theater spielen
  • mit einer ästhetischen und gesunden Gestaltung des Lebensumfelds Schule
  • mit Bewegungsangeboten für alle Altersstufen im Unterricht und in der Mittagsbetreuung, sowie auch in der offenen Ganztagsschule: Eurythmie, Sportspiel, Klettern, Yoga, Karate
  • mit stabilen menschlichen Beziehungen zu Lehrern und Mitschülern durch eine lange Klassenlehrerzeit und Klassengemeinschaft von der 1. bis zur 13. Klasse
  • mit künstlerischen und praktischen Fächern, wie Plastizieren, Formenzeichnen, Theater, Gartenbau, Werken, Handarbeiten, in denen die Kinder erleben, dass sie selbst ihre Welt gestalten können
  • mit dem Waldorflehrplan, der sich an der Entwicklung der Kinder orientiert und die Welt nach und nach durchschaubar macht
  • mit einer Schulgemeinschaft, in der jedes Kind und jeder Mitarbeiter und jede Mutter und jeder Vater seinen wichtigen und sinnvollen Platz hat

(1) Aaron Antonovsky, Salutognese zur Entmystifizierung der Gesundheit, Tübingen, 1997
(2) Shonkoff JP et al, The Lifelong effects of early childhood adversity and toxic stress, Paediatrics, 2012
(3) Rudolf Steiner, Die Methodik des Lehrens und die Lebensbedingungen des Erziehens, 1923

Schularzt? Wieso das denn?
Was macht ein Arzt an der Schule?

Wer die gesunde (leiblich – seelisch – geistige) Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt der Schulbildung stellt, sollte dafür auch die Kompetenz eines Arztes gewinnen, war die Überzeugung von Rudolf Steiner. Deshalb ist die Mitwirkung eines „Schularztes“ in Waldorfschulen von Anfang an Tradition. Ein Schularzt entwickelt sich im stetigen Austausch mit den Lehrern, Therapeuten, Eltern und Schülern zu einem Teil des Schulorganismus.

Als Arzt schult man im Verlauf seines Berufslebens den Blick auf das kranke und entwicklungsbeeinträchtigte Kind, auf Krisen und Teufelskreise die sich in Familien einschleichen können. Man sieht die Kinder nicht täglich wie der Lehrer und die Eltern, sondern punktuell zu bestimmten Zeiten und kann damit Entwicklungsschritte feststellen, die Eltern und Erziehern im Fluss der täglichen Versorgung und im stetigen Kampf um die Gewohnheitsbildung oft verborgen bleiben. Aus dieser Distanz kann ein Arzt Entwicklungstendenzen klarer erkennen und den pädagogischen und therapeutischen Bemühungen Orientierung und Sicherheit geben. Dieser grundsätzliche Unterschied im Blick auf ein Kind prägt auch die Einbindung eines Arztes im Schulbetrieb. Der Arzt ist einerseits als Lehrender tätig, andererseits als Lernender, weil Lehrer Erfahrungen machen und mitteilen können, die dem Arzt unersetzliche Einsichten eröffnen.

Petra Stemplinger

Petra Stemplinger
Kinder- und Jugendpsychiaterin,
-psychotherapeutin
Anthroposophische Ärztin
zertifiziert nach GAÄD und DtGAP

Ein Schularzt begleitet den Eintritt eines Kindes in die Schule und den weiteren Weg, wann immer es Unterstützung braucht. Er beurteilt Schulreife, Entwicklungstendenzen, Integrationsschwierigkeiten, Krisen und Lernblockaden und steht Lehrern und Eltern mit seiner Erfahrung zur Seite. Ist eine gezielte Förderung oder Behandlung nötig wird diese nur auf Wunsch der Eltern vom Schularzt übernommen.

Neben einem Arzt bemüht sich die Waldorfschule auch Therapeuten anzustellen, die mit Kunst, Sprache und Bewegung (Heileurhythmie) arbeiten. Auch diese Therapeuten arbeiten mit dem Schularzt zusammen. Das Zusammenbringen verschiedener Sichtweisen ist im Hinblick auf das Verstehen und Begleiten von Kindern immer bereichernd, weil es Einseitigkeiten in der Beurteilung verhindert.

Krisen oder Belastungen eines Kindes zeigen sich nicht selten in der Schule. Wenn sie sich zeigen, werden wir primär Sie als Eltern informieren und einbinden. Der Schularzt kann auch von Ihnen dazu gebeten werden. Er wird das Kind und alle, die mit ihm vertraut sind, anhören. Im Zusammentragen der verschiedenen Blickwinkel und Einsichten vertieft sich das Verständnis für das Kind und es ergeben sich neue kreative Ideen für den Alltag. Dieses Vorgehen wird an Waldorfschulen schon lange kultiviert und nennt sich „Kinderbesprechung“. Wenn Sie sich Sorgen machen um ihr Kind, wenn es zuhause grade turbulent zugeht, kommen Sie auf uns zu, wir unterstützen Sie mit unserer Kompetenz. Umgekehrt werden wir es ebenso tun. Offene und vorurteilsfreie Kommunikation ist gerade in Situationen der Krise notwendig. Es bestärkt den Mut und das Vertrauen, das es zur Lösung einer Krise braucht.

Ein Schularzt bringt sich auf Wunsch auch ein in Elternabenden, in Konferenzen, beim Hospitieren oder in Gesprächen mit Eltern. So wie ein menschlicher Organismus sich aus einzelnen Organen zusammensetzt und sich im Zusammenspiel derselben entfaltet, wird auch Gemeinschaft im gegenseitigen Wahrnehmen, im Geben und Nehmen der einzelnen Menschen wachsen.

Entwicklungsorientiertes Lernen stellt sich stets die Frage: Wie kann sich eine Individualität in einer Gemeinschaft zugleich frei und sozialverträglich entfalten? Wo immer Menschen bewusst um dieses Ziel ringen, haben sie eine faire Chance miteinander über sich hinaus zu wachsen. Das möchten wir unsere Kinder erleben lassen: eine ko-kreative Kraft, Verantwortung füreinander und Gemeinschaft miteinander. Darauf gründet sich unser Bildungsideal.

Petra Stemplinger – Biografie

Nach drei Jahren Praxis und Ausbildung zur Heilerzieherin in einem Kindergarten und einer heilpädagogischen Einrichtung, folgte ein Studium fundamentale der Philosophie und Kunst am Novalis Hochschulverein Dortmund.
Anschließend Studium der Medizin an den Universitäten Göttingen und Witten/Herdecke.
Dreijährige Ausbildung zur Kinderärztin und anschließender Facharztabschluss in Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik.

Anthroposophische Ärztin zertifiziert nach Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte Deutschland (GAÄD) und nach Deutscher Gesellschaft für Anthroposophische Psychotherapie (DtGAP).

Frau Stemplinger ist tätig in Leitender Position an der Kinderklinik in Landshut:

Medizinisches-Versorgungszentrum (MVZ)  und Anthroposophische Medizin

Seit 2016 Schulärztin an der Freien Waldorfschule Regensburg,
Mitwirkung in der Schulgründungsinitiative Landshut,
Dozentin in der Erzieherausbildung am Waldorflehrerseminar Würzburg,
Überregionale Vortragstätigkeit und Gründung des www.elternwerk.org

Kontakt:
petra@elternwerk.org
0871 – 85 21 29 5 oder
0179 – 92 38 95 5

„Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gegenüber steht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe“

Meister Eckhart

Lehrplan der Waldorfschule

Waldorfschulen verstehen ihren Lehrplan als einen sich ständig entwickelnden Rahmenlehrplan, der in der konkreten Zusammenarbeit der Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern individualisiert und modifiziert werden kann.

Im Laufe der Zeit haben sich aus den grundlegenden Lehrplanempfehlungen Rudolf Steiners einerseits, aus einer Fülle praktischer Erfahrungen andererseits viele inhaltliche Bögen herauskristallisiert, die eine gemeinsame Basis für die Arbeit aller Waldorfschulen bilden und in dem sogenannten “Richter-Lehrplan” zusammengefasst sind.

Der hier als PDF-Datei vorliegende Lehrplan zeigt, wie das im Lehrplan einer konkreten Schule (hier der Flensburger Waldorfschule) umgesetzt wird.

Nachfolgend gewinnen Sie noch einen kurzen Einblick, wie sich der Unterricht in den einzelnen Stufen gestaltet. Denn die Waldorfpädagogik unterstützt die Kinder von klein auf dabei, ihr unentdecktes Potenzial auszuschöpfen, welches für uns heute oft noch Unvorstellbares erbringen kann.

 

Unterstufe

© Henning Kullak-Ublick

Jeden Morgen werden die Kinder von ihrem Klassenlehrer in ihrem eigenen, vertrauten Klassenraum mit Handschlag begrüßt. Wenn sich um kurz vor 8:30 Uhr die Klassentür hinter ihnen schließt, tauchen sie gemeinsam in eine reiche Welt des Lernens ein, die ihr Bedürfnis nach lebendiger Bewegung ebenso aufgreift wie ihre manchmal noch träumende Anteilnahme an den Bildern und täglichen Erzählungen ihres Klassenlehrers.

Sprache, Musik, Rhythmus und Bewegung werden in einem rhythmisch gegliederten Wechsel geübt. Die bei den jüngeren Kindern oft noch reichen Nachahmungskräfte helfen ihnen, Gedichte, Lieder, aber auch das “1×1” aktiv aufzunehmen. Durch ihr fortlaufendes künstlerisches Üben erwerben die Kinder einen reichen Erfahrungsschatz im differenzierten Wahrnehmen und schöpferischen Gestalten – zwei Grundkräften eines Lernens, das neben den kognitiven Kräften der Kinder auch ihr Gefühls- und Willensleben anregen will. Das gemeinsame Üben hilft den Kindern auch, sich als Gemeinschaft zu erleben und fördert ihre Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Angesichts des zunehmenden Bewegungsmangels, dem viele Kinder heute schon in der Vorschulzeit ausgesetzt sind, gewinnt dieser “rhythmische Teil” des Unterrichtes eine zunehmende Bedeutung als Mittel, die daraus resultierenden Entwicklungsrückstände aufzuholen.

Der Schulvormittag beginnt immer mit dem so genannten Hauptunterricht, der vom Klassenlehrer während der ersten Doppelstunde erteilt wird. Gelernt wird in Epochen, während derer ein Fach (Formenzeichnen, Rechnen, Schreiben, in der 3. Klasse auch verschiedene Handwerke, der Hausbau und die Landwirtschaft sowie eine erste Heimat- und Tierkunde in der 4. Klasse) über mehrere Wochen den täglichen Schwerpunkt der Arbeit bildet. Den gelernten Stoff fassen die Kinder in individuell gestalteten Lehrbüchern – ihren “Epochenheften” – zusammen.

Im Fachunterricht wechseln sich praktisches Tun (Handarbeit, Spielturnen, Sinnesschulung) und künstlerische Bewegung in der Eurythmie, im Malen, Singen und Musizieren sowie von der ersten Klasse an das Üben der Fremdsprachen ab.

 

Mittelstufe

© Henning Kullak-Ublick

Mit jedem neuen Schuljahr erweitert sich der Horizont der im Unterricht behandelten Stoffgebiete, bis am Ende der achten Klasse die ganze Welt in das Blickfeld der jungen Menschen gerückt ist. Der Prozess, durch den eine neue Erkenntnis gewonnen wird, ist auch für das “lernen-Lernen” in der Mittelstufe genauso wichtig wie das erinnerbare Ergebnis, das dabei errungen wird.

Eigenes Handeln, die künstlerische Auseinandersetzung mit der Materie und mit zunehmendem Alter auch die selbstständige Begriffsbildung durchziehen alle Unterrichtsgebiete. Werken und Gartenbauunterricht treten zur Handarbeit hinzu.

Von der in der vierten Klasse einsetzenden Heimatkunde geht es in der fünften Klasse weiter zur Geographie Deutschlands, dann Europas und in der achten Klasse schließlich zu einer ersten Gesamtschau der völkerkundlichen und geographischen Differenzierung der ganzen Erde. Die Naturwissenschaften entwickeln sich von der ersten Menschen- und Tierkunde in der vierten Klasse über die Pflanzen- und Gesteinskunde bis zur Ernährungslehre und Astronomie im siebten und zur Anatomie und Sexualkunde im achten Schuljahr. Im sechsten Schuljahr beginnt die Physik, im siebten die Chemie. In beiden Fächern bilden die genaue Beobachtung und die nüchterne, getreue Wiedergabe der Phänomene den Ausgangspunkt für eine neue Qualität des Denkens: das selbstständige Erkennen von Kausalitäten.

Im fünften Schuljahr findet der Übergang von der Mythologie, die im Erzählstoff der Unterstufe eine wichtige Rolle spielt, zum eigentlichen Geschichtsunterricht statt. Bis zur achten Klasse wird in exemplarischen Erzählungen ein Bogen von der Urgeschichte bis in die Gegenwart gespannt. Oft werden geschichtliche Zusammenhänge durch das Erzählen von Biographien erlebbar gemacht.

Die Mittelstufenzeit kulminiert im 8. Schuljahr in drei besonderen Ereignissen: Die Klasse erarbeitet ein großes Theaterstück, jede Schülerin und jeder Schüler liefert eine individuelle “Jahresarbeit” ab und stellt sie vor großem Publikum dar, und schließlich unternimmt die Klasse eine große Klassenfahrt, die oft zugleich den Abschluss ihrer Klassenlehrerzeit markiert.

 

Oberstufe

© Henning Kullak-Ublick

Nach der behüteten Unter- und Mittelstufenzeit übernehmen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in immer stärkerem Maße die Verantwortung für ihr Lernen. Das Ausbilden praktischer, theoretischer, sozialer und schließlich individueller Urteilskompetenzen durchzieht die Arbeit an den anspruchsvollen und nunmehr von wechselnden Fachlehrer/innen erteilten Epochen.

In zunehmendem Maße werden die Schülerinnen und Schüler angehalten, ihre Lernfortschritte selbstständig zu reflektieren. Die Auseinandersetzung mit den Natur- und Geisteswissenschaften rückt in den Vordergrund. Nun gilt es, die Bewegungsfreude der jüngeren Klassen in eine individuell geführte seelisch-geistige Beweglichkeit zu verwandeln und dadurch auf den verschiedensten Lebensfeldern urteilsfähig zu werden.

Um den jungen Menschen vielfältige Zugänge zur Auseinandersetzung mit der Welt zu eröffnen, finden jährliche außerschulische Praktika statt, die von der Land- und Forstwirtschaft über die industrielle Produktion bis zu sozialen Aufgabenbereichen führen. Die weiterhin geübten handwerklichen und künstlerischen Disziplinen – Tischlern, Schmieden, Schneidern, Malen, Plastizieren, Musizieren und die Eurythmie – sorgen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler nicht einseitig kognitiv lernen.

Am Ende des 12. Schuljahres begegnen sich die Schülerinnen und Schüler noch einmal intensiv in der Erarbeitung eines modernen Theaterstückes, bei der Vorstellung ihrer individuellen Jahresarbeiten, dem künstlerischen Abschluss und bei einer großen Klassenfahrt.

Quelle: http://www.waldorfschule.de/

Staatliche Schulabschlüsse

An Waldorfschulen werden alle Prüfungen zum staatlichen Abschluss der Mittleren Reife als auch zum Abitur angeboten. Fast alle Schüler an Waldorfschulen erlangen den mittleren Schulabschluss und über die Hälfte gehen mit Erfolg weiter zum Abitur. Die an Waldorfschulen erworbenen staatlichen Schulabschlüsse haben ausnahmslos dieselbe Gültigkeit wie diejenigen der staatlichen Schulen.

Vergleicht man die durchschnittlichen Abschlussnoten von Waldorfschülern mit denen von Schülern staatlicher Schulen, erreichen die Waldorfschüler ähnliche, häufig sogar bessere Noten.

Besonderheiten der Waldorfschuleigenen Prüfungen (meist Waldorfabschluss genannt)

In Waldorfschulen können die Schüler ihre Lernerfolge und ihr Können auf vielfältige Weise unter Beweis stellen. Im weitesten Sinne sind dies Prüfungen, die sich unmittelbar aus dem pädagogischen Zusammenhang ergeben und dadurch eine sinnvolle Bewertung und Beurteilung ermöglichen. Die vielfältigen Leistungsnachweise gehen in die jährlichen Text-Zeugnisse und in das Abschlusszeugnis ein, das jeder Waldorfschüler am Ende der zwölfjährigen Waldorfschulzeit bekommt.
Viele Waldorfschulen haben ihren eigenen Waldorfabschluss zum Ende der 12. Klasse entwickelt und mit Erfolg erprobt. Dabei haben sich als wesentliche Elemente herauskristallisiert:

  • das selbst inszenierte Klassenspiel in Klasse 11 oder 12
  • die Jahresarbeit
  • der Künstlerische Abschluss (Eurythmie, Musik, bildende Künste)
  • die Kunstreise in der 12. Klasse

Waldorf – kreative, sozial verantwortliche und kritische Medienerziehung

Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Kontakt. In unserem digitalisierten und globalisierten Zeitalter ist es unser Anliegen, unseren Kindern nicht nur Wissen und Freude am Lernen zu vermitteln, sondern auch den kritischen, selbst bestimmten und kreativen Umgang mit Smartphone und Co. beizubringen.

Waldorfschule bedeutet nicht, dass keine Medien wie z.B. Computer eingesetzt werden oder Fernsehen verboten ist. Es bedeutet lediglich, dass nach dem Ansatz der Waldorfpädagogik bei kleinen Kindern noch keine Medien eingesetzt werden, um im höheren Alter einen verantwortungsvollen Umgang fördern zu können.

Es liegt in der Natur von Kindern, frei zu entdecken und etwas Sinnvolles zu tun. Dabei steht die körperliche Entwicklung zunächst einmal im Vordergrund. Wenn sie draußen spielen, erkunden sie ihre natürliche Umgebung mit allen Sinnen: Sie schmecken, fühlen, riechen, tasten, hören und sehen. Entdecken sie zum Beispiel Walnüsse unter einem Baum, sehen sie sie nicht nur, sondern ertasten die Struktur der Frucht mit ihren Fingern. Sie versuchen, die Schale zu knacken, riechen und schmecken sie. Es ist naheliegend, dass dies ein vielfältigeres Erlebnis bietet als es auf dem Bildschirm nachzuverfolgen, wo nur Augen und Ohren involviert sind. Demzufolge können bei zu frühem Medienkonsum sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten und Kreativität eingeschränkt werden (Glaw, 2017).

Zum Beispiel zeigt eine aktuelle, von der Bundesregierung geförderte Studie (BLIKK 2017), dass es einen Zusammenhang gibt zwischen frühem Medienkonsum von Kindern und Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen, Aggressivität und Lese/Rechtschreibschwäche. Weitere Studien aus England und den USA zeigen, dass sich durch ein Handyverbot an Schulen die schulischen Leistungen verbessern; bzw. durch eine Handyerlaubnis an Schulen die Leistungen sich verschlechtern (Erziehungskunst 2017).

Die Waldorfschule Landshut setzt sich dafür ein, den Kindern einen kompetenten Umgang mit Medien zu ermöglichen. Das bedeutet, dass die Kinder in den höheren Klassen nicht nur den „täglichen“ Gebrauch des Computers sowie Grundkenntnisse im Programmieren erlernen, sondern auch lernen, die Tastatur zu beherrschen (Zehnfingersystem). Unser Bildungsauftrag besteht darin, die Heranwachsenden im Umgang mit neuen Technologien zu einem selbst bestimmten, sachgerechten, kreativen, sozial verantwortlichen, kritischen und kommunikativen Handeln zu erziehen.

Für weitere Informationen lesen gern folgende Artikel:

-> libelle-magazin
-> stiftung-kind-und-jugend
-> waldorfschule
-> erziehungskunst

Mittags- und Nachmittagsbetreuung (Offene Ganztagsschule)

An unserer Schule werden eine Mittagsbetreuung bis 14.45 Uhr und eine verlängerte Nachmittagsbetreuung bis 16.30 Uhr angeboten. Die Ziele und pädagogischen Grundlagen entsprechen denen der Waldorfpädagogik.

Wie offizielle Studien belegen (Robert-Koch-Institut) haben viele Kinder nicht mehr die Möglichkeit sich adäquat zu bewegen. Deshalb möchte die Waldorfschule Landshut mit einer aktiven Mittagsbetreuung den Freiraum zum Bewegen und Ausatmen schaffen. Hierfür steht den Kindern nach dem gemeinsamen vegetarischen Mittagessen der Außenbereich zur freien Verfügung. Eine erlebnispädagogische (EOS) Ausrichtung ist geplant. Die Förderung von Bewegung in der Natur und die Möglichkeit zu echten Naturerlebnissen ist entscheidend, denn so lernen sich die Kinder selbst und auch ihre Mitschüler in einem anderen Kontext neu kennen. Dabei helfen uns erlebnisorientierte Angebote und jahreszeitlich orientierte Aktivitäten wie Wandern in den Isarauen und im Naturschutzgebiet, Floßbau und Höhlenexkursionen. Aber auch die künstlerisch-kreativen Kurse wie Keramikatelier, Künstleratelier, Archäologie-Erleben sind Angebote, die den Kindern stark praktische Erlebnisse vermitteln. Natürlich werden auch gebundene und vor allem ungebundene Bewegungsspiele (Ball, Stelzen, Hüpfseil, Baumstämme…) und Gesellschaftsspiele ihren Platz in der Nachmittagsbetreuung haben.

Gezielte Sinnespflege fördert die Entwicklung und gibt Gespür für die Qualität unserer Umwelt. Wichtig ist es uns, die Wertschätzung der Natur mit ihren Pflanzen und Tieren, sowie die der Menschen, auch untereinander, zu vermitteln. Die Rhythmuspflege (wie z.B. Pflege des gemeinsamen täglichen Mittagessens mit all seinen Ritualen) vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Klarheit.

Mit dem regelmäßigen Kontakt zu den Eltern wollen wir eine Grundlage für die familienergänzende Betreuung schaffen. In diesem Rahmen legen wir besonders viel Wert darauf, durch eine familiäre Atmosphäre Geborgenheit zu vermitteln.
Der klar strukturierte Tagesablauf gibt den Kindern Vertrauen und Sicherheit. In den altersgemischten Gruppen mit den individuellen Stärken der einzelnen Kinder werden wichtige soziale Kompetenzen gefördert. Dies lässt sie zu kompetenten Menschen heranwachsen, geistig-körperlich-seelisch gesund.

Eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung  ist selbstverständlich ein weiterer Baustein des Nachmittagsangebots und wird, wie auch die oben beschriebenen Kurse, von pädagogischem Fachpersonal angeboten.

Dass die Waldorfschulen ihre Absolventen gut auf eine Zukunft vorbereiten, in der soziale Intelligenz, emotionale Sicherheit und Gründergeist zu den entscheidenden Qualifikationen zählen, untersuchten Forscher im Rahmen einer empirischen Studie. Die Ergebnisse dazu wurden mittlerweile auch publiziert.

Namen tanzen, fit in Mathe – Waldorf im Vorteil
Eine Studie zeigt: Waldorfschüler lernen begeisterter, individueller und mit weniger Leistungsdruck.
Zum Beitrag in “Die Welt”…

Bildungserfahrungen an Waldorfschulen
Empirische Studie zu Schulqualität und Lernerfahrungen
Sylva Liebenwein, Heiner Barz, Dirk Randoll
ISBN: 978-3-531-18508-8 (Print) 978-3-531-19090-7 (Online)
Zur Verlagswebsite

Später lesen lernen bringt eher Vorteile
Eine Studie des Bildungsforschers Sebastian Suggate von der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit Forschern von der Universität von Otago (Neuseeland) vergleicht beispielsweise die Lesefähigkeiten von Kindern staatlicher Schulen mit denen von Waldorfschülern. Die Forscher begleiteten 370 neuseeländische Schüler durch mehrere Jahre und führten regelmäßig Tests durch. Dabei zeigte sich: Die Waldorfschüler, die erst mit sieben Jahren lesen lernen, holen den Vorsprung der Schüler an Staatsschulen, die schon mit fünf Jahren beginnen, auf und mit elf Jahren lesen sie sogar besser. Die Forscher führen dies auf die Elternhäuser der Waldorfschüler zurück, aber auch auf die Methoden der Waldorfpädagogik.
Link: www.sciencedirect.com

Forschung belegt: Waldorfpädagogik nutzt allen Schülern
In der Erziehungswissenschaft wird ein Paradigmenwechsel in der Pädagogik gefordert hin zur individuellen Förderung anstatt der Orientierung an Lehrplänen, dem Eingehen auf die Stärken der Kinder und dem Anknüpfen an ihrer Lebenswelt. Dass die Waldorfschulen diesen Weg bereits jetzt mit Erfolg gehen, zeigen wissenschaftliche Studien u.a. zum Thema Lesen oder Naturwissenschaftsunterricht. Außerdem bestätigt sich, dass das Prinzip der Waldorfpädagogik, den Kindern Zeit zu lassen, sich auszahlt. Es steht im Einklang mit den jüngsten Erkenntnissen der Hirnforschung.
Link: www.derstandard.at

Auch Migrantenkinder profitieren
Dass die Lernmethoden der Waldorfpädagogik für alle Kinder von Nutzen sind, zeigt das Beispiel der Freien Interkulturellen Waldorfschule (FIW) in der Mannheimer Neckarstadt-West. Hier beträgt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund rund 50 Prozent. Prof. Michael Brater und sein Team stellten bei einer Untersuchung fest, dass die Sprachunterschiede zwischen den Kindern nach zwei Jahren nicht mehr feststellbar waren. Diesen Erfolg erzielten die Waldorfpädagogen allein aufgrund ihrer Unterrichtsmethode – ohne spezielle Deutschkurse oder Sprachförderung. Auch bei dem Lernverhalten wurde der interkulturellen Waldorfschule ein ähnlicher Erfolg bescheinigt. Bei Merkmalen wie Aufmerksamkeit, selbständiges Arbeiten und Unterrichtsbeteiligung sei zwischen den Kindern mit und ohne Migrationshintergrund kein Unterschied mehr festzustellen gewesen, so das Ergebnis.
Link: www.springer.com

Vorbildlicher Naturwissenschaftsunterricht von PISA bescheinigt
Freude am Lernen und allgemeines Interesse an Naturwissenschaften liegen bei den Waldorfschülern über dem Durchschnitt der OECD. Dies ergab eine nationale Sondererhebung im Rahmen der PISA-Studie Naturwissenschaften 2006, die das österreichische Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (Bifie) in Wien vorgestellt hat. Der Bericht bescheinigt den Waldorfschulen eine „vorbildliche Unterrichtspraxis“ in den naturwissenschaftlichen Fächern, da Experimente und die Anwendung des Gelernten im Vordergrund stünden. Das Konzept der Waldorfschulen geht vom Phänomen aus, d.h. von der Alltagserfahrung der Schüler und knüpft daran die Beobachtung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten.
Link: http://waldorfschule.de/presse/

Hattie-Studie unterstreicht die Wirksamkeit der Waldorfpädagogik
Basierend auf der Zusammenfassung von 50.000 Studien zum Thema Unterrichtsforschung gilt die Hattie-Studie auch für staatliche Schulen als Wegweiser. Bei Betrachtung der wichtigsten Faktoren für den Lernerfolg von Schülern, wird deutlich, dass dies genau die Stärken der Waldorfpädagogik sind.
Es zeigt sich deutlich, dass die Klassengröße kaum einen Einfluss auf den Lernerfolg hat und dass Sitzenbleiben nicht nützlich, sondern für den Lernerfolg in gewisser Weise sogar schädlich sein kann. Außerdem wirkt es sich auf den Lerneffekt positiv aus, wenn die Klasse nicht nach Leistung gruppiert wird – die Kinder fördern ihre Entwicklung damit gegenseitig. Vor allem aber wird deutlich, dass es nicht so sehr auf die Menge als vielmehr auf die Rhythmisierung der Lernzeit in einem Schuljahr ankommt, also nicht so sehr auf den Gesamtumfang der zur Verfügung gestellten Zeit, sondern mehr auf ihre intervallartige Sequenzierung… u.v.m

Link: Hattie Studie

Guten Morgen, liebe Kinder – Eine Brücke in die Welt
Die erste (1. bis 3. Klasse) und zweite (4. bis 6. Klasse) Folge der Langzeitdokumentation mit Aufnahmen aus der Waldorfschule Landsberg ist jetzt auch als DVD erhältlich. Eine Bestellmöglichkeit, Filmausschnitte sowie einen Flyer und weitere Informationen gibt es unter www.guten-morgen-liebe-kinder.de, weitere Informationen zur Sendung auch beim BR.

Angstfrei lernen, selbstbewusst handeln
Christoph Lindenberg
Verlag: rororo
Euro 7,90
ISBN: 3-499-60323-3
Erschienen 1975 – immer noch ein Klassiker!

Die Waldorfpädagogik
Kiersch Johannes
Verlag Freies Geistesleben
Euro 8,90
ISBN 3-7725-1247-X
u.a. Erläuterung menschenkundlicher Hintergründe der Pädagogik

Erziehung zur Freiheit
Frans Carlgren
Verlag Freies Geistesleben
Euro 19,90
ISBN 3-7725-1619-X
Standardwerk für den “Erstkontakt” (reich bebildert)

Elternfragen an die Schule
Titel aus der Reihe – Verlag Freies Geistesleben

Wie arbeiten Eltern und Lehrer zusammen? Michael Harslem, ISBN 3-7725-1504-5
Welche Abschlüsse gibt es an Waldorfschulen? Dietrich Esterl, ISBN 3-7725-1505-3
Wie lernt man fremde Sprachen? Erhard Dahl, ISBN 3-7725-1508-8
Lernen Kinder mit dem Kopf? Bruno Sandkühler, ISBN 3-7725-1507-X
Warum Musikunterricht? Stephan Ronner, ISBN 3-7725-1511-8
Was geschieht in Geschichte? Dietrich Esterl, ISBN 3-7725-1512-6
Was bedeutet Anthroposohpie für die Waldorfschule? Dietrich Esterl, ISBN 3-7725-1509-6
Euro je 8,50
Gut gegliederte, übersichtliche Darstellungen zu Einzelthemen

Leitlinien der Waldorfpädagogik für die Kindheit von 3 bis 9 Jahren
R. Patzlaff
W. Saßmannshausen, Teil I u. II Edition Waldorf (Pädagogische Forschungsstelle)
Euro je 3,00
u.a.: ISBN 3-927-286-46, ISBN 3-927-286-65-6
Neue Konzepte für den Übergang von Kindergarten zur Grundschule

Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft
Rudolf Steiner
Rudolf Steiner Verlag
Euro 10,00
ISBN 3-7274-6580-8
Ein Vortrag von 1907

weitere Informationen und interessante Bücher finden Sie hier unter
Anthroposophische Buchhandlung

  • Anthroposophie
  • Geisteswissenschaft
  • Werke von Rudolf Steiner
  • Bücher zur Waldorfpädagogik
  • Elternratgeber
  • Biografiearbeit
  • Kinder- und Jugendbücher

Salutogenese

Preparing for Life

Eurythmie - maNt

Waldorfschule Remscheid

Waldorf100 - Der Film

Bund der freien Waldorfschulen

www.waldorfschule.de

LAG

Die Landesarbeitsgemeinschaft ist ein Organ des Bundes der Freien  Waldorfschulen e. V. Stuttgart
http://www.waldorf-bayern.de

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners

Die Freunde der Erziehungskunst unterstützen seit 1976 Waldorfschulen, -kindergärten, heilpädagogische Einrichtungen und soziale Projekte weltweit. Interessierte können sich im Rahmen von Freiwilligendiensten engagieren, darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Arbeit mit Spenden zu unterstützen. Diese werden zu 100 Prozent weitergeleitet. Bisher konnten so mehr als 600 Projekte gefördert werden.
www.freunde-waldorf.de

Waldorfschulen weltweit

In der Waldorf Weltliste finden Sie die Adressen aller Waldorfschulen (1.092 in 64 Ländern), Waldorfkindergärten (1.857 in mehr als 70 Ländern), Waldorfvereinigungen und Waldorferzieher- und Lehrerausbildungen weltweit, mindestens einmal jährlich auf den neuesten Stand gebracht.